Dwmw vom 10.01.2010

10.Januar 2010

Dies ist die neununddreissigste Folge von “Da war mal was…”, sie ist am 10.01.10 im Berliner Tagesspiegel erschienen.

Update: Es geht in dieser Episode NICHT um einen Verglich von DDR und dem NS-Staat. Auch nicht um eine Gleichsetzung der Opfer des Stasi-Regimes und des Holocausts. Das sind jeweils zwei Paar Schuhe. Es geht in dieser Episode um Leute, die das, was sie anderen angetan haben/was anderen angetan wurde, relativieren und leugnen. Es geht um dieses unmenschliche Verhalten, den Opfern noch mal eine rein zu hauen. Es geht um die Unfähigkeit, sich zu entschuldigen und das Gewesene selbstkritisch zu reflektieren. Und um das daraus folgende Unmöglichmachen einer Versöhnung.

Ich weiß als Autor, dass die Parallele, die am Ende der Folge steht, dünnes Eis ist und missverstanden werden kann. Ich habe lange überlegt, ob ich das wagen soll. Darum habe ich mich vor der Veröffentlichung mit mehreren Fachleuten besprochen. Ohne deren Feedback hätte ich es nicht geschrieben. Denn wenn man die Episode genau liest wird meiner Meinung nach deutlich: Es geht hier um den Vergleich von Leugnen von Verbrechen. Und diesen Vergleich halte ich durchaus für legitim.

Artikel gespeichert unter: Allgemein

bisher 18 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Steffen  |  10.Januar 2010 at 16:17

    Krass, megakrass.

    Ich kann dir nur beipflichten, solche Dinge beobachte auch ich in letzter Zeit immer häufiger.

    Ein Beispiel: In der ZEIT war letztens ein Artikel darüber, wie sehr sich die Natur in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung gebessert hat. Ich meine, nicht umsonst hatte Bitterfeld während des Sozialismus den traurigen Ruf der schmutzigsten Stadt Europas. Und die DDR-Protestbewegung hatte ihren Anfang nicht umsonst in der Umweltbewegung.

    Der allererste Leserkommentar zu diesem Artikel war etwa so: “Wie, soll hier wieder Stimmung gegen die DDR gemacht werden? Das war doch nichts im Vergleich zum Raubbau an der Natur in der BRD??? Die DDR war mega-ökologisch, was man schon daran sieht, daß der meiste Verkehr mit der Bahn stattfand!!!”

    Ich fürchte, wir brauchen wieder eine neue 68er Generation. Eine die genauso wie damals den Ewiggestrigen klipp und klar erzählt, was damals für eine S*** abgelaufen ist.

  • 2. Sven  |  10.Januar 2010 at 16:33

    ‘Krass’ kam mir auch in den Sinn, aber mehr wegen des Gedankenganges am Ende. Verbrechen der Nazizeit zu leugnen ist meines Wissens nicht verboten, allerdings den Holocaust zu verleugnen schon. Und als Referenz, um anderes Unrecht zu relativieren (sei es das Zerbomben von Städten, das Vertreiben von Menschen, das Leugnen von Unrecht, egal wann und wo und von wem begangen), sollte niemand den Holocaust heranziehen.

    Eine scharfe Pointe hätte der Geschichte hinter dieser DWMW Episode besser gestanden als der gewählte Schluss.

  • 3. Knut  |  10.Januar 2010 at 17:20

    Kann es sein, dass der Mario aus einem früheren DWMW hier einen Cameo-Auftritt als der “Aber-Mann” hat?

    Ansonsten mal wieder ein solider DWMW, ich hoffe der letzte wird genauso gut.

  • 4. Juna  |  10.Januar 2010 at 20:30

    Großartig! Danke, dass Du auch einmal so eine Geschichte aufgegriffen hast! Das glaubt einem ja keiner. Meine Beobachtung ist, dass solche Dinge extrem zugenommen haben - es wird nur schlicht ignoriert.

  • 5. Sir Wombat  |  10.Januar 2010 at 22:41

    Sehr tolle Episode.
    Denke ich, kann man so stehen lassen.

  • 6. Richard  |  10.Januar 2010 at 22:42

    Schade daß diese Folge von der üblichen DWMW-Optik so stark abweicht.

  • 7. Cariola  |  11.Januar 2010 at 10:51

    Gänsehaut! Wahnsinn…

  • 8. Christoph  |  11.Januar 2010 at 13:14

    Eine der besten Episoden überhaupt!

  • 9. Christoph  |  12.Januar 2010 at 08:30

    Krass.

    Ja. Auch diese Verleumdungen sollten unter Strafe gestellt werden. Die Mauer wird/wurde immer als “Antifaschistischer Schutzwall” beschrieben - also aus Ost-Sicht. Evtl. war sie aus West-Sicht ja ein Anti-Sozialistischer-Schutzwall. Hat nur keiner gemerkt…

    *nachdenklichwerd*

  • 10. Sheak  |  12.Januar 2010 at 12:56

    Ich muss zugeben, bisher ist mir sowas auch noch nicht in den Sinn gekommen. Tolle Folge, vielen Dank.

  • 11. corny  |  12.Januar 2010 at 15:16

    Beste Folge für mich bisher!!! Grandios! Hoffe die kommt in der erweiterten Auflage mit rein … dann würd ich mir auch nochmal die 2. Auflag kaufen. Allein dafür!!

    Auch optisch grandios!!!

  • 12. Sumiciu  |  12.Januar 2010 at 15:42

    Gute Folge, ähnliche Gedankengänge hatte ich auch schon des Öfteren.
    Vielleicht wäre es ohne das letzte Bild sogar noch besser gewesen, dann hätte der Leser die Parallele gedanklich ziehen können. So erinnert es mich ein wenig an die Holzhammer-Methode (was am Wahrheitsgehalt aber natürlich nix ändert).

  • 13. Florian  |  13.Januar 2010 at 09:45

    Eine tatsächliche Folge mit Aussage. Schade, dass deine erste politische Stellungnahme in einem Mainstreamthema kommt.

    Bisher hast du dich stets auf der naiv-verspielten Beobachterposition gehalten und deine Meinung in Themanwahl und -darstellung ausgedrückt.

    Ich finde, dass steht dir besser als politisch dünne Bretter zu bohren.

  • 14. Marcel  |  14.Januar 2010 at 11:09

    @ Sven:

    Stimmt, nur Holocaust leugnen ist “wirklich” verboten. Ich werfe mal “Eva Herman” in den Raum. Die hat “nur” relativiert, wurde trotzdem aber überall fallengelassen. ;)

  • 15. Seb  |  21.Januar 2010 at 09:13

    Sehr gute Folge und ein angemessener Vergleich. Ich finde die Abwechslung zwischen lustigen Folgen und solchen, die einen schaudern lassen klasse!

    Der Vergleich am Ende der Folge passt zu 100%.

  • 16. Dr. No  |  26.Januar 2010 at 00:35

    Zu deinem neuen Disclaimer:

    Ich finde es erschreckend, wieviele Möchtegern-Moralapostel sich immer wieder aufspielen und darauf hinweisen, dass man nichts aber auch gar nichts auch nur Ansatzweise mit der Nazizeit vergleichen darf. Dabei möchte ich gar nicht abstreiten, dass ein gesundes Maß an Zurückhaltung hier angebracht ist. Vielmehr will ich die Frage nach Ausgewogenheit und Angemessenheit stellen. Oder anders: Was wird erreicht?

    Nehmen wir z.B. den Vergleich eines Politikers zwischen Guantanamo und KZs. Evtl. ist der pietätlos und überzogen. Höchstwahrscheinlich ist er das. Aber was haben die Wächter der Pietät erreicht? Der Politiker trat zurück. Und Guantanamo war irgendwie raus aus der Kritik. Nichts für ungut, aber plötzlich ging es nicht mehr um die unmenschliche Grausamkeit eines rechtsfreien Foltergefängnisses, sondern darum, ob ein Vergleich zulässig war. Da wäre es mir doch lieber gewesen, wir hätten als Deutschland noch viele Wochen über das schreckliche Gesicht von willkürlicher Gewalt gesprochen. Meiner Meinung nach lenken hier die selbsternannten Moralapostel vom eigentlichen Thema ab - und erzeugen damit mehr Schaden denn Nutzen.

    So auch bei deiner Geschichte und deinem Vergleich. Schade, dass du den feinen Unterschied erst noch extra erklären musst. Schade auch, dass diese Diskussion davon ablenkt, dass wir tatsächlich in eine Verdrängungsfalle zu tappen drohen, deren Konsequenzen schlimmstenfalls in einer innerdeutschen Spaltung enden könnten. (Wem das zu überzogen scheint, der schaue mal Richtung Slowakei oder ehemaliges Jugoslawien oder Zypern oder …)

    Die Verbrechen der Nazis waren wirklich in ihrem Ausmaß und in ihrer Dimension unfassbar und werden es immer bleiben. Aber so zu tun, als wäre damit das ultimative Verbrechen der Menschheit begangen worden und danach könnte sowieso nichts wirklich Schlimmes mehr passieren, ist in meinen Augen die wahre Pietätlosigkeit gegenüber allen Opfern von grausamer Folter, Verfolgung, Vergewaltigung und Völkermord unserer Zeit. Es ist die spießbürgerliche Verdrängung aktuellen Leids, das uns zu wahrem Handeln statts zu reinem Gedenken auffordern würde. Die Verdrängung der Verbrechen des Sozialismus ist unser Problem. Hier und heute. Und so möchte ich jeden dieser selbsternannten Moralapostel fragen: was genau tust du dagegen?

  • 17. Geist  |  02.Februar 2010 at 13:16

    In anderen Ländern hätte man nach der Revolution (Wende) die Hälfte, aller Ost-Politiker der Linken, an die Wand gestellt.

    -Hier dürfen Sie immer noch jeden Sch… von sich geben :(
    -Hier müssen sich die Opfer entschuldigen.

    Sehr Plakativ, ich weiß.

  • 18. Roman  |  09.Februar 2010 at 19:10

    Wow…
    Tolle Folge…

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